Sprachliche Zeichen Beispiel Essay

In der Semiotik, der allgemeinen Zeichentheorie, werden drei Typen von Zeichen unterschieden. Index, Ikon und Symbol.

Indexalische Zeichen (Anzeichen, Symptome) stehen in einem Folge-Verhältnis zum Bezeichneten oder Gemeinten (z.B. Lachen für Freude, eine bestimmte Stimmqualität für ein bestimmtes Geschlecht). Sie bilden also Wenn-Dann-Verhältnisse ab. Diese Verhältnisse werden nicht immer zuverlässig erkannt, auch deshalb, weil sie sich manchmal unabsichtlich ergeben. Demgegenüber sind die beiden anderen Zeichentypen immer absichtlich gesetzt.

Ikone, ikonische Zeichen erlauben das Wiedererkennen des Gemeinten, weil sie es sinnlich wahrnehmbar abbilden. Die Beziehung zum Gegenstand beruht also auf einem Abbildverhältnis. Eingängigstes Beispiel sind hierfür sind im visuellen Bereich die Piktogramme, die uns in den institutionellen Verweissystemen (z.B. auf dem Bahnhof, in den Behörden) auf Schritt und Tritt begegnen. Im auditiven Bereich sind die lautmalenden Wörter (Onomatopoetica) ein beredtes Beispiel für ikonische Zeichen.
Die ersten Schriftsysteme (z.B. die Hieroglyphen) waren ikonische Zeichen, ehe sie - wie in der heutigen Zeit zu beobachten - zu symbolischen Zeichensystemen wurden, d.h. ihre über die Wahrnehmung verbundene, mehr oder weniger direkte Abbildung verloren haben.

Symbole, symbolische Zeichen stehen zum bezeichneten Gegenstand weder in einem Folge-, noch in einem Ähnlichkeitsverhältnis. Dies ist für die sprachlichen Zeichen bzw. Zeichenfolgen charakteristisch. Ihre Beziehung zum Bezeichneten oder Gemeinten erfolgt auf grund von Konvention. Entsprechend muß diese Beziehung in der Ontogenese erworben, gelernt werden.

Sprachliche Zeichen ("Symbole") sind von de Saussure als Kombination eines Lautbildes ("image acoustique") mit einer Vorstellung ("concept") - Saussure, F. de. Cours de linguistique generale. Genf 1960, 98 - beschrieben worden bzw. allgemeiner als Kombination von signifiant ("Bezeichnendem") und signifie ("Bezeichnetem") - op.cit., 99. Wie zu sehen, geht de Saussure von der (relativ stabilen) Zuordnung eines Zeicheninhalts zu einem bestimmten Zeichenausdruck, einer Zeichenform aus. Dies ist das Kennzeichen der sog. bilateralen gegenüber der sog. unilateralen Zeichenauffassung.

Die Zuordnung von Zeicheninhalt zum Zeichenausdruck ist willkürlich ("arbiträr") in dem Sinne, daß z.B. der Zusammenhang der Graphemfolge STUHL mit der "Vorstellung" von einem Sitzmöbel mit Lehne und vier Beinen nicht aus sich selbst heraus begründet ist. Dafür spricht z.B. auch, daß die gleiche Vorstellung mit der Graphemfolge CHAIR evoziert wird. Man kann auch sagen, daß die Zeichengestalt unabhängig vom Gemeinten ist.

In der Diskussion um die Arbitrarietät sprachlicher Zeichen wird von Zeit zu Zeit die Existenz von lautmalenden Wörtern (Onomatopoetica) als Gegenbeweis für die Willkürlichkeit vorgebracht. Dazu ist zu sagen, daß in unterschiedlichen Sprachen auch unterschiedliche "Lautmalungen" vorgenommen werden (dt. Kuckuck - frz. coucou - rus. kukushka) und die Zahl der Onomatopoetica außerdem relativ begrenzt ist.

Die Arbitrarietät der Zuordnung von Zeichenausdruck und Zeicheninhalt wird systematisch durch die Motiviertheit reduziert, wobei die Motiviertheit immer nur relativ ist und wiederum von Sprache zu Sprache unterschiedlich ist. Wenn man sich die regelmäßige Pluralbildung im Russischen durch die Endung /-i/ ansieht und dagegen die Pluralbildung durch Suppletivformen (z.B. rebenok - deti), wird deutlich, daß erstere motiverter ist als die zweite.

Sprachliche Zeichen weisen neben den Merkmalen der Bilateralität und Arbitrarietät auch noch die der Asymmetrie und der Gegliedertheit auf.

"Asymmetrie" bedeutet, daß die Komponente "Form" und die Komponente "Inhalt" nicht in einem 1:1 Verhältnis stehen müssen. Z.B. im Falle der Polysemie sind einer Zeichenform mehrere Zeicheninhalte zugeordnet. Im Falle der Synonymie hingegen ist es umgekehrt.

"Gegliedertheit" meint, daß sowohl die Form- als auch die Inhaltsseite strukturiert sein kann. Dies wird auf der Formseite z.B. bei abgeleiteten Wörtern oder bei (erweiterten) Sätzen deutlich. Auf der Inhaltsseite entsprechen dem isolierbare semantische Komponenten.

Sprachliche Zeichen können eine unterschiedliche Komplexität aufweisen. Folgende Reihe kann man mit aufsteigender Komplexität benennen:

(Phonem) - Morphem - (Wort) - Gruppe von Wörtern (Syntagma) - Satz - Text.

Erläuterungen:
Die Behandlung des Phonems als sprachliches Zeichen ist insofern strittig, als es keinen bilateralen, sondern einen unilateralen Charakter hat. Das Morphem kann unselbständig und selbständig auftreten. Im letzten Fall kann es mit dem Wort, wie wir es in den flektierenden Sprachen kennen, identisch sein. Das Syntagma ist als sprachwissenschaftlicher Terminus nicht in allen Philologien bekannt. Seine Bestimmung geht zunächst von der Intonation aus, ehe die syntaktische Charakterisierung erfolgt.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das sprachliche Zeichen nach Ferdinand de Saussure
2.1 Definition von Sprache
2.2 Definition des sprachlichen Zeichens
2.2.1 Arbitrarität und Linearität
2.2.2 Innere Nichtigkeit
2.2.3 Unveränderlichkeit und Veränderlichkeit
2.3 Kreislauf des Sprechens

3. Das sprachliche Zeichen nach Karl Bühler
3.1 Organonmodell
3.2 Zeichennatur der Sprache
3.3 Vierfelderschema

4. Vergleich der Zeichenmodelle
4.1 Sprache als System
4.2 Zeichen und Zeichenmodell
4.3 Kurze Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand dieser Arbeit ist der Vergleich des Zeichenmodells von Ferdinand de Saussure mit dem sogenannten Organonmodell von Karl Bühler. Dazu werden die beiden Zeichenmodelle genau beschrieben und als Grundlage die Definition beider Sprachwissenschaftler von Sprache dargestellt, denn ohne die wäre das sprachliche Zeichen gar nicht erst zu erklären. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Modelle werden aufgezeigt und es wird erklärt, inwiefern sich die beiden Wissenschaftler beeinflusst haben.

Dieses Thema ist besonders interessant, weil Ferdinand de Saussure und Karl Bühler äußerst bedeutsame und vielzitierte Linguisten sind, deren Theorien oftmals durch Auszüge ihrer prominentesten Passagen bekannt sind, aber kaum in Gänze wahrgenommen werden.

Diese Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zuerst wird das Zeichenmodell Saussures erklärt. Dieser Teil orientiert sich am französischen Originaltext des Cours de linguistique générale, besonders wegen der präziseren Begrifflichkeiten, sowie an seiner deutschen Übersetzung. Die für Saussure wichtigen Aspekte des sprachlichen Zeichens werden in einzelnen Unterpunkten dargelegt. Dann folgt eine Beschreibung des Organonmodells anhand von Karl Bühlers Sprachtheorie. Weil dieses Modell sehr komplex und umfangreich ist, füge ich zur Orientierung die Abbildung des Modells in diesem Kapitel ein. Die Definition von Sprache nach Bühler wird im Unterpunkt „Vierfelderschema“ erklärt, indem ich eine auf Bühlers Abbildung davon basierende Tabelle als Grundlage der Erläuterung verwende. Schließlich folgt der vergleichende Teil, in dem zuerst die differenzierten Definitionen von Sprache als essenzielle Begründung für Unterschiede zwischen den Zeichenmodellen verglichen werden. Dann werden die wichtigsten Aspekte der Zeichen und Zeichenmodelle der beiden Sprachwissenschaftler einander gegenübergestellt. Dieser Teil der Arbeit beruht besonders auf den umfangreichen Untersuchungsergebnissen von Konrad Koerner und Rolf Müller. Der letzte Teil und gleichzeitig die gesamte Arbeit schließt mit einer kurzen Schlussfolgerung, in der nicht nochmals alle Untersuchungsergebnisse des Vergleichs zusammengefasst werden sollen, sondern die als konkreter Erklärungsansatz für die Unterschiede zwischen Saussures und Bühlers Theorien fungiert.

2. Das sprachliche Zeichen nach Ferdinand de Saussure

Im Zeitraum von 1907 bis 1911 hielt Ferdinand de Saussure an der Universität Genf die drei Vorlesungsreihen „Cours de linguistique générale“, deren Theorie die Studenten Charles Bally und Albert Sechehaye aus Vorlesungs-mitschriften in einem Buch mit eben dem Titel 1916, drei Jahre nach Saussures Tod, veröffentlichten. Im Folgenden wird Saussures Definition vom sprachlichen Zeichen dargestellt.

2.1 Definition von Sprache

Um zu definieren, was Saussure unter dem sprachlichen Zeichen versteht, muss zunächst festgelegt werden, was laut ihm Sprache ist. Saussure verwendet für „Sprache im weiteren Sinne“ die Begriffe langage, langue und parole, wobei nur die langue Gegenstand der Betrachtung von Sprache sei (vgl. Saussure 1969:9). Als langage bezeichnet er den vortheoretischen Phänomenbereich der menschlichen Rede. Diese unterteile sich in langue und pa-role. Die langue sei eine Institution, die sich in den Köpfen aller Sprecher wiederfindet und allgemein gültigen Konventionen folge. Saussure erklärt, dass sie ein vollständiges System bestehend aus der „Summe der Wortbilder, die bei allen Individuen aufgespeichert sind“ darstellt sowie ein „grammatikalisches System“, das bei allen Sprechern vorhanden ist (s. Saussure 1967:16). Die parole hingegen sei die individuelle Sprachverwendung, wenn zum Beispiel ein Sprecher einer Sprache einen konkreten Sprechakt realisiert und sich dazu eines Teils der Konzepte aus dem Depot der langue bedient. Diese beiden Bestandteile der langage bedingten sich gegenseitig, denn die langue könne nur dadurch existieren, dass individuelle Sprechakte überhaupt geäußert werden, die sich an einem allgemein gültigen System orientieren. Andersherum sei die parole wiederum nur möglich dank des Systems, das die langue darstellt, denn nur aus diesem Repertoire heraus können Sprechakte realisiert werden (vgl. Saussure 1967:17).

2.2 Definition des sprachlichen Zeichens

Die langue „bilde[] ein System von Zeichen“ und das Zeichen besteht aus Sinn und Lautzeichen („l’union du sens“ und „l’image“). Diese Zeichen drückten Ideen aus und könnten auf Gegenstände, Sachverhalte und so weiter verweisen. Sie dürfen nicht mit Wörtern verwechselt werden, da diese eine Realisierung von Ideen bedeuten und somit der parole angehören (vgl. Saussure 1967:19).

Für die zwei Seiten des sprachlichen Zeichens verwendet Saussure verschiedene Bezeichnungen. Neben Sinn und Lautzeichen spricht er von Vorstellung und Lautbild („concept“ und „image acoustique“), wenn er die Natur des sprachlichen Zeichens erläutert (s. Saussure 1969:99). Diese beiden Begriffe seien nicht mit „Sache“ und „Name“ zu verwechseln, weil es sich dabei um einen außersprachlichen Verweis und die Realisierung durch ein Wort handele. Vorstellung und Lautbild seien durch ihre dichotomische Vereinigung im sprachlichen Zeichen eng miteinander verbunden und untrennbar, denn sobald sich jemand eine Idee ins Gedächtnis ruft, seien beide Seiten des Zeichens zusammen im Geiste vorhanden. Die beiden Seiten des Zeichens haben unterschiedliche Aufgaben: Die Vorstellung bedeutet das Bezeichnete einer Idee (das ist das signifié) und das Lautbild bezeichnet diese Vorstellung (jenes nennt Saussure signifiant) (s. Saussure 1969:100). Beide Seiten existierten nur auf psychischer Ebene, weil sie nicht auf die außersprachliche Welt verwiesen und das Lautbild nicht als der tatsächliche Laut, also als die phonetische Realisierung eines Konzeptes als Rede, zu verstehen sei, sondern es sei der psychische Eindruck seiner Realisierung im Kopfe eines jeden Sprechers, „die Vergegenwärtigung [des Lautbildes] auf Grund unserer Empfindungswahrnehmungen“ (vgl. Saussure 1967:77). Das lässt sich dadurch veranschaulichen, als dass es möglich ist, zu denken, also im Geiste zu sprechen, ohne dies durch die parole zu realisieren. Saussure bezeichnet das Lautbild als „sensorisch“ (Saussure 1967:77), weil es der Teil des sprachlichen Zeichens sei, den man (akustisch) wahrnehmen kann, alsbald er von jemandem realisiert worden ist. Generell scheint das so beschriebene sprachliche Zeichen abstrakt zu sein. Das ist es laut Ferdinand de Saussure aber aus dem Grunde nicht, dass nämlich alle Zeichen, im System der langue zusammengefasst, für jeden Sprecher die gleichen sind, weil sie einer gemeinsamen Konvention unterliegen, also kollektiv anerkannt sind.

2.2.1 Arbitrarität und Linearität

Für das so definierte sprachliche Zeichen nimmt Saussure zwei Grundeigenschaften an: Es sei beliebig („arbiträr“) und von linearem Charakter.

Unter der Beliebigkeit des Zeichens sei zu verstehen, dass Lautbild und Vorstellung allein durch „une habitude collective“ bzw. „la convention“, in der langue angelegt und also nicht vom Sprecher abhängig, verbunden seien (s. Saussure 1969:100f.) und die Verbindung der beiden Seiten durch nichts anderes motiviert sei (vgl. Saussure 1997:145). Sind beide Seiten des Zeichens arbiträr, so könne das ganze sprachliche Zeichen ebenfalls nur arbiträr sein. Hierbei verweist Saussure allerdings auf zwei Ausnahmen: Bildet man im Geiste Ableitungen von einer Idee in Form von Syntagmen (z.B. alle Verben mit dem Präfix ab-) oder fügt man zwei Begriffe zu einem Kompositum zusammen, welches eine neue Idee repräsentiert, so seien die dann entstandenen Zeichen durch diese Ableitungen wohl motiviert (vgl. Saussure 1967:154f.).

Die Grundeigenschaft der Linearität betrifft das Zusammenspiel mehrerer sprachlicher Zeichen. Saussures Grundgedanke dabei ist, dass Zeichen und somit Ideen in keiner anderen Konstellation zueinander auftreten können, als dass ein Zeichen auf ein anderes folgt oder umgekehrt. Dieses Auftreten, wenn akustische Bezeichnungen nacheinander wahrgenommen werden, bedeutet, dass „das Bezeichnende, als etwas Hörbares“, was eine zeitliche Ausdehnung hat, nur in der Dimension eines Zeitstrahls auftreten könne. Dieser lasse keine andere Anordnung der Zeichen zu als ihr Auftreten nacheinander, also in linearer Form (vgl. Saussure 1969:103).

2.2.2 Innere Nichtigkeit

Das sprachliche Zeichen grenzt sich laut Saussure von vielen anderen Zeichen in Systemen ab, indem es von innerlicher Nichtigkeit ist (s. Saussure 1997:158). Das heißt, dass das Zeichen nur aus den Unterschieden und Abgrenzungen zu anderen Zeichen bestehe und es nur daraus gemacht werde. So wie das Lautbild das Gegenstück zur Vorstellung darstellt, so bedeute jedes sprachliche Zeichen ein Gegenstück zu jedem anderen im Zeichensystem der Sprache (vgl. Saussure 1967:136). Natürlich ist die innere Nichtigkeit nicht so zu verstehen, dass das Zeichen deshalb aus gar nichts bestünde. Viel mehr habe jedes sprachliche Zeichen einen Wert bzw. stelle die Kombination aus einem Laut- und einem Bedeutungswert dar. Die Sprache sei also ein Wertesystem mit Zeichen, die ausschließlich aus ihrem Wert bestehen und sich zueinander relativ verhalten (siehe 2.2.3). Dabei stellen die Zeichen keine bloße Nomenklatur dar, sondern sie müssen stets im Verhältnis zueinander betrachtet werden. Nur an der Seite anderer sei ein Zeichen existent (vgl. Saussure 1997:154f.).

2.2.3 Unveränderlichkeit und Veränderlichkeit

Des Weiteren stellt Saussure für das sprachliche Zeichen einen scheinbar widersprüchlichen Gegensatz fest: es sei unveränderlich und veränderlich („immutabilité et mutabilité du signe“, Saussure 1969:104).

Der einzelne Sprecher kann die Zeichen ausschließlich so verwenden, wie sie in der Gesellschaft der Sprecher vorhanden sind und er kann sich nur der Zeichen bedienen, die ihm vorhanden sind. Diese Auswahl sei das Ergebnis der Tradierung von Zeichen aus Generationen von Sprechern zuvor (vgl. Saussure 1967:84). Doch warum verändern die Sprecher ihr System von Zeichen nicht? Saussure stellt vier Thesen auf, die eine plötzliche Veränderung ausschließen. Erstens bewahre die Beliebigkeit der sprachlichen Zeichen (siehe 2.2.1) die Sprecher davor, im System eine tiefere Logik, die auf eine „norme raisonnable“ verweist, zu erkennen, anhand derer aufgezeigt werden könnte, dass bestimme Zeichen logischer oder praktischer gewählt werden könnten (vgl. Saussure 1969:106). Zweitens sei die Anzahl der sprachlichen Zeichen zu groß, um diese überblicken zu können und dann zu ändern (vgl. Saussure 1967:86) und drittens sei das System der Zeichen zu kompliziert, als dass jemand seinen „komplizierten Mechanismus“ begreifen könne (s. Saussure 1967:86). Viertens schließlich verhindere die konservative Einstellung der Sprecher gegenüber der Sprache eine Veränderung. Saussure nennt sie die „résistance de l’inertie collective“ und sie begründet sich in der Tatsache, dass die Menschen täglich und ständig von der Sprache Gebrauch machen, sodass eine Veränderung nicht einfach zu realisieren sei (vgl. Saussure 1969:107f.).

Nichtsdestoweniger lässt sich eine Veränderlichkeit der Zeichen feststellen. Sie geschieht nur nie durch ein Individuum oder durch die Sprachgemeinschaft zu einer Zeit, sondern Zeichen können sich im Laufe der Zeit verändern. Die Veränderung betreffe „eine Verschiebung des Verhältnisses zwischen dem Bezeichneten und der Bezeichnung“ (s. Saussure 1967:88). Damit ist gemeint, dass sich das Lautbild eines Zeichens verändern kann, dass die Bedeutung eines Zeichens konkretisiert, verallgemeinert oder verlagert wird oder dass sich die „grammatische Form“ des signifiant verändert (s. Saussure 1967:88). Dass sich das Verhältnis zwischen den beiden Teilen des sprachlichen Zeichens überhaupt verlagern kann, begründet sich wiederum in seiner Arbitrarität.

[...]

One thought on “Sprachliche Zeichen Beispiel Essay

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *